Merkmale der Rebzikade
Biologie der Amerikanischen Rebzikade
Die Zikade verbringt ihren gesamten Lebenszyklus an Reben. Dort ernährt sie sich vom Pflanzensaft der Rebe und legt ihre Eier zur Überwinterung ins Holz der Rebe.
Aus den Eiern schlüpfen im Mai/Juni die ersten Larven, die sich hauptsächlich auf der Blattunterseite von stocknahen Blättern oder auf Blättern von Stockaustrieben aufhalten.
Insgesamt durchläuft der Nachwuchs der Amerikanischen Rebzikade fünf Larvenstadien, in denen sich die Färbung der Tiere verändert. Die ersten Stadien sind weiß und besitzen am Körperende zwei schwarze Flecken, die letzten Larvenstadien besitzen zusätzlich noch eine braune Musterung am Körper. Frisch geschlüpfte Larven sind immer frei von Flavescence dorée.
Ende Juli bzw. Anfang August häuten sich die Zikaden ein letztes Mal und werden zu erwachsenen Tieren. In diesem Stadium können die Zikaden gut fliegen und sich theoretisch mehrere 100 Meter in der Umgebung ausbreiten. Durch Weinbaumaschinen, insbesondere Laubschneider, oder durch Windverdriftung kann eine Verbreitung auch über größere Entfernung erfolgen, besonders während des Larvenstadium. Im Spätsommer kommt es dann zur Paarung der Zikade und anschließend zur Eiablage. Die erwachsenen Tiere können bis September/Oktober aktiv sein.
Aktuelle Verbreitung der Rebzikade
Die Amerikanische Rebzikade wurde erstmals in einem Weinbaugebiet in Deutschland nachgewiesen. Die erwachsenen Zikaden wurden an zwei Fallenstandorten in der Gemarkung Bad Bellingen und Rheinweiler Anfang bis Mitte August mit Gelbtafeln gefangen und durch einen Mitarbeiter des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg identifiziert. Zur Bestätigung des Fundes wurden die toten Zikaden an das Referenzlabor im Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) weitergeleitet und die Art bestätigt.
Wie die Amerikanische Rebzikade nach Deutschland gelangt ist, ist bislang noch unklar. Es wird jedoch vermutet, dass das Tier über den Transitverkehr eingeschleppt wurde, da sich beide Fallenstandorte in der Nähe der Autobahn und des Schienen-Güterverkehrs befinden. In anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Frankreich, Italien oder der Schweiz, kommt die Art schon seit mehreren Jahren bzw. Jahrzehnten vor und könnte von dort aus als blinder Passagier über den Warenverkehr nach Deutschland eingeschleppt worden sein.
Wie lange sich die Amerikanische Rebzikade schon in den betroffenen Weinbergen befindet, ist nicht bekannt. Im letzten Jahr wurden keine Tiere an den Standorten gefangen. Das WBI führt bereits ab dem Jahr 2007 ein jährliches Monitoring zur Zikade durch. Seit 2015 laufen diese Untersuchungen auch im Rahmen des Nationalen Monitorings auf Schadorganismen in Zusammenarbeit mit dem Referat Biologische Diagnosen und Pflanzengesundheit am LTZ. Aufgrund von Funden der Zikade im Elsass im Jahr 2016 wurde das Monitoring weiter intensiviert.
Bislang ist nicht abschließend geklärt, wie groß die Population und damit das Befallsgebiet der Amerikanischen Rebzikade im südlichen Markgräflerland genau ist. Um das Gebiet weiter eingrenzen zu können, wurden in umliegenden Rebflächen über 40 Gelbtafeln aufgehängt. Die Auswertung dieser Standorte steht allerdings noch aus. Die Ergebnisse des Gelbtafel-Monitorings können aktuell in VitiMonitoring unter www.vitimeteo.de eingesehen werden. Dazu klickt man zunächst links auf der Startseite den Punkt „Monitoring“ an. Anschließend wählt man unter dem Reiter „Klasse und Gruppe wählen“ den Menüpunkt „Fallenfang / Schädling“ sowie unter dem Reiter „Objekt wählen“ den Menüpunkt „Amerik. Rebzikade Fallenfang“ aus. Durch Anklicken der Fallenstandorte mit dem Mauszeiger werden die Fangzahlen der Zikade je Standort angezeigt.
Wo sollte eine Gelbtafel zur Überwachung platziert werden?
Die Zikade hält sich bevorzugt auf verwilderten Unterlagsreben auf. Daher sind Flächen, auf denen sich Unterlagsreben großflächig ausgebreitet haben, besonders zu überwachen. Aber auch Drieschen bzw. Rebanlagen die nicht mehr oder nur noch minimalst bewirtschaftet werden, bilden einen idealen Rückzugsraum für die Zikade. Sollten diese bevorzugten Lebensräume nicht auf der Gemarkung zu finden sein, kann auch eine Ertragslage zur Überwachung genutzt werden. Erwachsene Amerikanische Rebzikaden lassen sich sehr gut mit Gelbtafeln fangen (siehe Abb.1). Dabei sollte die Gelbtafel in sonnigen Weinbergen möglichst in die Mitte der Rebfläche platziert werden.
Die Gelbtafel sollte mittig in die Laubwand gehängt werden. Im Zeitraum von Anfang August bis Ende Oktober sollte die Gelbtafel alle zwei Wochen gewechselt und kontrolliert werden. Zu diesem Zeitpunkt treten die flugfähigen erwachsenen Tiere auf, die mit den Tafeln gefangen werden können. Sollten Sie eine Amerikanische Rebzikade finden, melden Sie sich bitte beim Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg unter der E-Mail: Diagnostik@wbi.bwl.de
Larven der Amerikanischen Rebzikade erkennen
Die Amerikanische Rebzikade überwintert als Ei im Bast des Rebholzes. Die Zikade legt ihre Eier bevorzugt ins zweijährige Holz in die Nähe der Augen ab, damit die jungen Larven nur einen kurzen Weg zum Saugen an den Blättern zurücklegen müssen. Aber die Eier werden auch in einjähriges Holz und in das Stammholz abgelegt.
Der Larvenschlupf beginnt dann Mitte bis Ende Mai und zieht sich über etwas mehr als einen Monat hin. Die frisch geschlüpften Larven sind immer frei von den Bakterien der Goldgelben Vergilbungs-Krankheit (Flavescence Dorée). Die Tiere müssen sich erst durch Saugen an einer infizierten Rebe selbst infizieren. Bis die Larven dann die Krankheit weiter verbreiten können vergeht eine Latenzzeit von 4 Wochen. Das ist die Zeit in der die Tiere infiziert sind, selbst aber noch nicht das Bakterium übertragen können. Danach bleiben die Tiere zeitlebens infektiös.
Die Larven bewegen sich nur bedingt auf andere Reben und bleiben für gewöhnlich auf der Rebe auf der sie geschlüpft sind. Besonders gerne halten sie sich auf Stockausschlägen der Unterlage auf, wenn diese nicht entfernt werden. Andernfalls findet man die Larven auf den gut geschützten Blättern in Stock- und Triebnähe. Hier lohnt es sich bei allen Arbeiten in den Reben von Mai bis Juli gezielt diese Blätter anzuschauen und nach den Larven sowie Häutungsresten zu kontrollieren.
Insgesamt entwickeln sich die Larven über 5 Stadien zum erwachsenen, flugfähigen Tier. Das erste Larvenstadium ist etwa 1,5 mm groß, creme-weiß gefärbt und besitzt zwei schwarze Punkte am Abdomen (Hinterleibsende). Nach jeder Häutung werden die Larven größer. Zusätzlich zeigen die letzten beiden Larvenstadien neben den schwarzen Punkten eine braune Musterung auf (Abb. 2/3). Larven des letztens Stadiums sind dann mit 5 mm Körperlänge besonders gut zu erkennen. Auch an Hand von Häutungsresten, die auf der Blattunterseite kleben bleiben, lässt sich die Anwesenheit der Amerikanischen Rebzikade feststellen. Die Häutungsreste weisen, wie die Larven selbst, die schwarzen Punkte und braune Musterung der älteren Larvenstadien auf.