Projektlaufzeit: 01/2024 – 12/2027
Projektziele: Es sollen Grundlagen zur wissenschaftlichen Erforschung der positiven Wechselwirkungen und Effekte der Integration von Gehölzen im ökologischen Weinbau in Baden-Württemberg v.a. im Hinblick auf Klimaschutz und Biodiversität geschaffen werden.
Ziel des Projekts ist es, Potenziale und Herausforderungen von Agroforstsystemen im Weinbau (sog. Vitiforst-Systeme) für Baden-Württemberg systematisch zu erfassen, verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen und diese auf deren Wirksamkeit hinsichtlich Klimaschutz und Biodiversität zu untersuchen.
Der Klimawandel stellt den Weinbau vor wachsende Herausforderungen: steigende Temperaturen, häufigere Extremwetterereignisse und veränderte Niederschlagsmuster beeinflussen Ertrag, Qualität und Stabilität der Rebanlagen. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Ansatz wieder an Bedeutung, der Tradition und Innovation verbindet - der Vitiforst.
Vitiforst bezeichnet die Integration von Gehölzen, sowie Bäumen und Sträuchern, in Weinbergsflächen. Diese Form des Agroforsts kombiniert Reben mit mehrjährigen Pflanzen und schafft dadurch ein vielfältigeres, widerstandsfähigeres Agrarökosystem.
Durch die Kombination von Bäumen und Reben entstehen stabilere Mikroklimata. Gehölze spenden Schatten, reduzieren Windgeschwindigkeiten und wirken temperaturausgleichend. Dies kann insbesondere in Hitzeperioden zu einer Entlastung der Reben beitragen.
Ein weiterer zentraler Mechanismus ist der sogenannte hydraulische Lift: Tiefwurzelnde Bäume nehmen Wasser und Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten auf und geben diese über ihre Wurzeln in höhere, trockenere Bodenschichten ab. Davon profitiert auch die flacher wurzelnde Rebe insbesondere in Trockenphasen. Darüber hinaus verbessern Gehölze die Bodenstruktur, fördern die Humusbildung und tragen zur langfristigen Kohlenstoffbindung bei, dies ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Vitiforst-Systeme erhöhen die strukturelle Vielfalt im Weinberg und schaffen Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Sowohl oberirdisch (z. B. Insekten, Vögel) als auch unterirdisch (Bodenorganismen) steigt die Biodiversität deutlich an. Dies kann sich positiv auf ökologische Prozesse, wie Bestäubung und natürliche Schädlingsregulation auswirken.
Obwohl Vitiforst eine historisch bekannte Bewirtschaftungsform ist, wurde sie in den letzten Jahrzehnten nur wenig praktiziert. Umso wichtiger ist es heute, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Integration von Gehölzen in den modernen Weinbau zu gewinnen.
Auf eigenen Versuchsflächen untersuchen wir daher die konkreten Auswirkungen von Vitiforst-Systemen auf Mikroklima, Bodenbiologie, Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit und Weinbauparameter wie Traubenqualität, Wasserstress, Säure etc. Ziel ist es, Grundlagen zur wissenschaftlichen Erforschung der positiven Wechselwirkungen und Effekte der Integration von Gehölzen im ökologischen Weinbau in Baden-Württemberg v.a. im Hinblick auf Klimaschutz und Biodiversität, zu schaffen.
Vitiforst bietet somit ein großes Potenzial, den Weinbau nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten als Antwort auf die
Herausforderungen des Klimawandels und den Verlust biologischer Vielfalt.
Abbildung 1: Darstellung von Ökosystemleistungen, die durch Vitiforst-Systeme bereitgestellt werden (Quelle: Daniel Bühler).
Das Weinbauinstitut Freiburg hat zwei Versuchsflächen eingerichtet:
Die erste Fläche befindet sich am Blankenhornsberg. Dort wurden im Blockdesign Baumreihen mit Pappel und Speierling in die Rebflächen integriert, um deren Einfluss auf Mikroklima, Boden und Rebenentwicklung zu untersuchen.
Die zweite Versuchsfläche liegt in Freiburg in unmittelbarer Nähe der Vinothek des Staatsweinguts. Hier wurden verschiedene Baumarten in Reihen gepflanzt, darunter Esskastanie, Walnuss, Baumhasel, Feldahorn, Winterlinde und Traubeneiche.
Zusätzlich wurde eine Heckenstruktur aus Kornelkirsche, Hainbuche sowie verschiedenen Hasel- und Weidenarten angelegt (u. a. Hasel ‘Emoa 1’, ‘Wunder von Bollweiler’ und ‘Katalonski’, Silberweide und Salweide). Die beiden Heckenstreifen sind so konzipiert, dass sie künftig auch maschinell gepflegt und geschnitten werden können, beispielsweise mit dem Laubschneider oder Böschungsmulcher.
Auf den Flächen werden jeweils Wetter-, Boden-, Pflanzen- und Weinbauparamete sowie Licht/Schatten gemessen.
Abbildung 2: Versuchsfläche von Vitiforst am Blankenhornsberg (links) und in Freiburg (rechts; Quelle: Daniel Bühler).
Gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.
Abbildung 3: Darstellung der Projektstruktur von Vitiforst (Quelle: Daniel Bühler).
Universität Hohenheim, Universität Freiburg, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Staatliche
Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, Weinbauinstitut Freiburg.
Ansprechpartner am WBI: Daniel Bühler, Referat Weinbau und Anpassung an den Klimawandel.