Projektlaufzeit: 07/2025-06/2028
Projektziele: Transformation des Anbaugebietes Baden zu der nachhaltigsten Region im Deutschen Weinbau. Abhebung vom Wettbewerb durch konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Produktion und höhere qualitative Ansprüche.
Ein EIP-AGRI-Projekt ist ein Innovationsprojekt im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-AGRI). Ziel ist es, innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen in der Land- und Forstwirtschaft sowie im ländlichen Raum zu entwickeln, zu erproben und in die Praxis zu überführen. Im Mittelpunkt steht die enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure, beispielsweise Landwirtinnen und Landwirte, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Beratungsorganisationen, Verbände und Behörden. Diese bilden sogenannte operationelle Gruppen, die gemeinsam praxisorientierte Fragestellungen bearbeiten und innovative Ansätze entwickeln.
Der badische Weinbau steht vor großen Herausforderungen. Er muss sich schneller ökologisch weiterentwickeln und gleichzeitig wirtschaftlich widerstandsfähiger werden. Aktuell werden nur rund 6 % der Rebflächen in Baden-Württemberg ökologisch bewirtschaftet, während viele kleine Betriebe – häufig mit weniger als einem Hektar Fläche – steigende Produktionskosten und einen rückläufigen Weinkonsum bewältigen müssen.
Mit dem Projekt „Zukunftsweinbau Baden“ formiert sich eine Operationelle Gruppe (OPG) aus Weinbaubetrieben, Forschungseinrichtungen und Verbänden. Ziel ist es, Baden als nachhaltige Weinbauregion zu profilieren, die geschützte Ursprungsbezeichnung g. U. Baden zu modernisieren, die Umstellung auf PIWI-Rebsorten zu beschleunigen und gleichzeitig neue wirtschaftliche Perspektiven für Betriebe zu schaffen. Das Teilprojekt „PIWI-Bio-Flächenbund“ soll mit einem gemeinnützigen Verein Winzerinnen und Winzern ermöglichen, PIWI-Teilflächen gemeinsam biozertifizieren zu lassen. Durch die Bündelung von Audit- und Zertifizierungskosten entsteht ein praktikabler Zugang zum Bio-Weinbau. Insbesondere für kleinstrukturierte Betriebe und Genossenschaften. Gleichzeitig können neue Bio-Produktlinien entstehen, ohne die bestehenden Strukturen im badischen Weinbau zu verändern.
Das Teilprojekt „Nachhaltigkeitsprofil für die g. U. Baden“ entwickelt einen standardisierten Nachhaltigkeitsprozess für die Herkunft Baden. Dabei werden regionale Besonderheiten wie Steillagen oder kleinstrukturierte Flächen berücksichtigt und deren Beitrag zu Biodiversität und Landschaftspflege sichtbar gemacht. Ziel ist eine transparente und glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie für die gesamte Region.
Um badische PIWI-Weine sensorisch stärker zu profilieren, untersucht die Oenologie des WBI im Teilprojekt „Badische Hefe – indigene Hefen aus dem Bioreaktor“ regionale Hefestämme mit Schwerpunkt auf Souvignier Gris. Mithilfe eines Bioreaktors sollen diese Hefen in reproduzierbarer Qualität kultiviert werden. Ziel ist ein charakteristischer, herkunftstypischer Stil badischer PIWI-Weine, bei gleichzeitig geringeren Hefekosten für Betriebe.
Im Teilprojekt „Umstrukturierung auf PIWIs mit optimierten Umveredlungsoptionen“ werden kostengünstige, ressourcenschonende Veredelungsverfahren getestet. Dabei spielt die Holz-auf-Grün-Veredelung eine zentrale Rolle, da sie leicht zu erlernen und schnell in der Praxis einsetzbar ist. Voraussetzung für die Standortveredlung ist hochwertiges Vermehrungsmaterial, deshalb arbeiten wir gemeinsam mit Rebschulen an verbesserten Einlagerungsverfahren. Diese neuen Systeme kombinieren die Sortenumstellung mit verkürzter Laubwand (Biegedrahterhöhung) und Minimalschnitt. Sie sind ohne Wasserschosser aus dem unteren Stammbereich durchführbar und somit für eine Vielzahl von Anlagen in der Region geeignet. Ziel ist es, mithilfe der optimierten Standortveredlungsverfahren arbeitszeitsparende Bewirtschaftungssysteme zu etablieren und den Pflanzenschutzaufwand langfristig zu reduzieren.

Foto 1: Grünveredlung (Quelle: Joel Sartorius).
Ein EIP-AGRI-Projekt ist ein Innovationsprojekt im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-AGRI). Es wird über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) und Landesmittel finanziert.
Leadpartner ist der Badische Weinbauverband e.V., die Projektkoordination hat das Piwi Kollektiv (Philipp Rottmann) übernommen. Forschungsbetrieb ist das WBI mit 3 Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeitern, sowie Frau Helena Ponstein. Zusammengearbeitet wird unter anderem mit der WG Riegel, WG Bötzingen, Weingut Kiefer und Badischer Winzerkeller. Die Rebveredlung wird vor allem durch Christian Gerhart unterstützt.

Projektleitung / Ansprechpartner am WBI: Ernst Weinmann, Leitung Abteilung 3 Weinbau und Resistenzzüchtung & Dr. Ramón Heidinger, Leitung Abteilung 2 Oenologie / Hanna Mößner, Joel Sartorius & Anna Zlobina, Wissenschaftliche Mitarbeiter